Grundsanierung des Schlossdaches

Die wichtigste Arbeit dieses Jahres im Baubereich ist die Reparatur des Schlossdaches. Nachdem im August unser Sägewerk einzatzbereit war, konnten wir alles Bauholz für die Grundsanierung des Schloßdaches aus eigenen Waldbäumen selbst herstellen. 1905 wurde das Mansardendach auf das 1718 erbaute Schloß gesetzt, um Zimmer für die Maiden der Landfrauenschule zu schaffen. Das Dach hat die fast 120 Jahre, trotz Zeiten völliger Vernachlässigung, bis auf eine von vornherein problematische Stelle am Treppenturm (zwei Deckendurchbrüche bis zum Erdgeschoß) erstaunlich gut gehalten. Wir müssen nur wenige Dachsparren, die durch Hausbockbefall geschädigt sind, erneuern. Die qualitativ sehr hochwertigen Ludovici Dachziegel können noch weitere hundert Jahre ihren Dienst versehen, nur die rel. dünnen Dachlatten werden wir vollständig austauschen, wie auch alle Dachbleche und -rinnen.

Obsternte

Die Obstanlagen von Amalienruh waren schon vor dreihundert Jahren bedeutend. Hier wurde damals, von Hofgärtner Georg Tatter,  die erste Kulturanweisung für Ananas in Europa verfasst und es gab 300 Apfelsinen- und Zitronenbäume. Alles in Allem gibt es inzwischen wieder ca. 1000 Obstbäume, darunter sehr seltene alte Sorten. In den letzten 20 Jahren konnten mit Hilfe des Landschaftspflegeverbandes und der Naturschutzbehörde fast 500 Hochstammbäume neu gepflanzt werden. Fast jedes Jahr finden wir durch Selbstaussaat neu gewachsene Walnussbäume und immer wieder entdecken wir Obstbäume die durch Wurzelschösslinge entstanden sind, so haben wir sogar eine stammechte Eierpflaume gefunden. Wenn Obstbäume an Altersschwäche sterben, überleben nicht selten die alten Unterlagen, deswegen wachsen hier dutzende von Mirabellensorten und auch alte Haferpflaumen. Es gibt auf dem Hof (in der Nähe des Eiskellers) sogar alte Weinbergterrassen deren erste wir nach aufwändiger Rodung und Entfernung von Wildwuchs wieder bepflanzt haben. In acht Kilometern Entfernung, am Südabhang des uns umgebenden Waldgebietes zum Grabfeld hin, wurden zu späten DDR-Zeiten riesige Obstplantagen mit zehntausenden von Bäumen gepflanzt und nach der Wende anscheinend einfach vergessen. Sie überwucherten vollkommen mit Dorngestrüpp, haben aber ohne jede Pflege irgendwie überlebt. Erst seit kurzem werden in wenigen Teilbereichen wieder Pflege- und Erhaltungsarbeiten durchgeführt. Viele der alten Bäume tragen immer noch und sind für die wenigen Bewohner hier eine Art Lebensversicherung für Notzeiten.

In guten Jahren gibt es fast zwei Monate lang Kirschen, die vielen Sorten haben unterschiedliche Reifezeiten. Die Walnuss- und Quittenernte dieses Jahres war gut. Äpfel und Birnen hatten durch Spätfröste gelitten, Pflaumen gab es viele und Mirabellen und Reneclauden tragen hier anscheinend immer. Aprikosen, Pfirsiche und Nektarinen wurden von uns gepflanzt  und gedeihen. Schlehen und Hagebutten wachsen an vielen Wegrändern. Es haben hier alte Haselnuss- und Brombeersorten überlebt. Sanddorn und Essbare Vogelbeeren fühlen sich wohl, Mandeln, Maronen, Mispeln, Kiwis, Maulbeeren und verschiedene andere "Exoten" sind noch im Versuchsstadium. Verschiedene Stachelbeer- und Johannisbeersorten haben wir aus der Umgebung zusammengetragen, Japanische Weinbeeren, Taybeeren und vor allem Jostabeeren tragen immer reichlich. An verschiedenen Stellen des Hofes sind Walderdbeeren recht häufig.

Das Obst muss natürlich geerntet und gelagert werden. Dazu dienen verschiedene Erdkeller und Kellerräume in Gebäuden. Apfelsaft stellen wir selbst her und völlig neu errichtete große Brotbackofen im alten Backhaus eignet sich auch zur Herstellung von Dörrobst. In jedem Jahr werden hier auf dem Hof hunderte Gläser Marmeladen und Gelees produziert. Eines der kommenden Projekte ist die Einrichtung unserer Obstbrennerei.

 

Nach Schweden wegen der Trockenheit

Seit mindestens fünf Jahren haben wir mit zunehmender Trockenheit zu kämpfen. In diesem Jahr gab es drei Monate kaum Niederschläge und somit auch kein Graswachstum. Dadurch waren wir gezwungen, schon im September unsere Heuvorräte für den Winter anzugreifen und wir müssen unseren Tierbestand zu verringern.

Anfang September starteten Thomas, Elisabeth und ich zu einer Reise 1500 Kilometer Richtung Norden, bis nach Värmland in Schweden. Dort leben zwei meiner Kinder und ich habe selbst zwanzig Jahre meines Lebens in dieser Gegend verbracht. Wir wollten sehen, wie weit die Trockenheit in den Norden reicht.

In Brandenburg und um Berlin sah es schlimm aus. Dort gab es nicht nur vertrocknete Fichten sondern auch viele tote Kiefern, die trotz ihrer langen Pfahlwurzeln die Trockenheit der letzten Jahre nicht überlebt hatten. In Mecklenburg/Vorpommern das gleiche Bild. Selbst auf Rügen viele Trockenschäden. Erst nach der Ostseeüberquerung in Südschweden war es besser und wir sahen dann nur noch grüne Landschaften. Bei uns gab es nach der Heuernte kein Graswachstum mehr, hier stand das Gras nach der Heuernte schon wieder einen halben Meter hoch. Nirgends tote Bäume, also hatte es hier den den vergangenen Jahren auch keine Trockenheit gegeben. Und noch etwas war hier anders: Eine unglaubliche Klarheit der Luft! Man konnte mehr als doppelt so weit sehen wie in Deutschland – und zwar gestochen scharf, ohne den gelblich-rosa Dunst, der in Mitteleuropa immer am Himmel ist. Dann fiel uns die sehr geringe Anzahl der Flugzeuge auf und es gab keine lang anhaltenden Kondensstreifen. In Dalsland sahen wir in acht Stunden nicht ein einziges Flugzeug und meine Tochter Svantje erzählte uns, das sei normal. Im ganzen letzten Monat hätten sie nur den Rettungs- und den Polizeihubschrauber gesehen sowie das Waldbrandflugzeug. Wenn fremde Verkehrsmaschinen den schwedischen Luftraum erreichten, müssten sie eine Erklärung abgeben, dass sie außer reinem Kerosin nichts im Tank hätten. Das würde nach der Landung kontrolliert und wenn etwas gefunden würde, dürfte die Maschine den schwedischen Luftraum nie wieder benutzen. Hängen viele Flugzeuge und Trockenheit zusammen? Auf www.flightradar24 sieht man weltweit alle zivilen Flugzeuge, die sich gerade in der Luft befinden.  Auch da hat man den Eindruck dass viele Flugzeuge und Trockenheit korreliert sind. In Deutschland hatten wir nur 2021 ausreichend Regen aber da flogen auch wegen der Corona-Maßnahnen fast keine Flugzeuge.

In Schweden gibt es im Vergleich zu Deutschland sehr wenige Windparks. Die verwirbeln die Luftschichten nach Messungen bis in 100 Kilometern Entfernung. Regen entsteht nur in geschichteter Luft, wenn eine warme Luftschicht auf eine kalte trifft, der Wasserdampf kondensiert und dann abregnet.

Eine zeitweilige Viehreduktion wegen Futtermangel ist für uns nur eingeschränkt möglich, weil wir vom Aussterben bedrohte Rinder- und Pferderassen halten, die wir nicht wieder beschaffen können.  Damit ginge  jahrzehntelange Zuchtarbeit verloren.

Die Konsequenz unserer Schwedenreise ist deshalb, dass wir in Zukunft zweigleisig fahren werden: Wir werden einige unserer Zuchttiere auf einen neu zu errichtenden Zweigbetrieb nach Schweden auslagern. Dadurch sind unsere Tiere, die eine wichtige Genreserve darstellen, auch nicht mehr durch eine eventuelle Viehseuche in ihrer Existenz gefährdet, so wie wir es vor einigen Jahren mit der Blauzungenkrankheit erlebt haben. Dieser schwedische Betrieb, in räumlicher Nähe zum Hof meiner Tochter, in der Grenzregion Värmland/Dalsland, liegt in einer sehr dünn besiedelten Gegend und ohne Kontakt zu schwedischen Viehzuchtbetrieben.

Die deutschen Förster beobachten die Veränderungen der Grundwasserstände ständig an vielen Messbohrungen. Sie rechnen mit großflächigem Absterben der Wälder, wenn jetzt noch ein trockenes Jahr folgt. Der Revierförster der uns umgebenden staatlichen Wälder lebt hier auf dem Hof.
 

Zeit zum Möbelrenovieren

Wir haben Amallienruh 2003 als vollkommen ausgeplünderte Ruine übernommen. Bis auf die Mehlkiste in der Küche, einige kaputte Wandschränke und vier Kohleöfen aus DDR-Zeiten gab es nur Schutt und Müll in den Häusern. Im Laufe von zwanzig Jahren hat sich aber wieder einiges angesammelt: Erbstücke unserer Familien, Teile aus dem Freundeskreis, Flohmarktfunde, Geschenke von Menschen, die keinen Platz mehr dafür hatten sowie Käufe bei ebay und aus einem Gebrauchtwarenkaufhaus. Aus alten Inventurlisten aus dem 18. und 19. Jahrhundert, sowie aus Fotos aus der Zeit vor dem 2. Weltkrieg, wissen wir recht genau, was es hier früher einmal gegeben hat und wir können gezielt danach suchen. Vieles war kaputt und wir haben es erstmal einfach nur eingelagert. Lagerraum haben wir ja genug. Jetzt im Winter ist auch mal Zeit zum Renovieren antiker Möbel.